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AIV WORKSHOP

VISIONEN FÜR DEN RODERBRUCH HANNNOVER

WORKSHOP 2006 I 04.12.2006 AUSSTELLUNG IN DER BAUVERWALTUNG


AUFGABE UND RAHMENBEDINGUNGEN


Ziel dieses Workshops war die Entwicklung von Lösungskonzepten und Ideen für die Erweiterung und Stärkung des Stadtteilzentrums Roderbruch südlich des heutigen Roderbruch-Marktes, dem zentralen Platz des Stadtteils. Aus einer aktuellen städtebaulichen Diskussion heraus werden innovative Vorschläge gesucht, den in den sechziger Jahren zur Deckung des damals anhaltenden hohen Bedarfs an Wohnraum und Arbeitsplätzen geplanten Roderbruch mit einer “städtebaulichen Vision” aufzuwerten und der momentan vorherrschenden “Trading-down” Tendenz ein Konzept entgegen zu setzen, um diese Entwicklung zu stoppen und umzukehren. 


Die gegebenen Rahmenvorgaben beinhalteten die Ansiedlung eines groß-flächigen Verbrauchermarktes, einen sog. “Vollsortimenter”, der in dieser Form bisher nicht vorhanden ist und sich in urbaner Form einfügen soll, die Komplettierung der umliegenden Wohngebiete sowie weitere Flächen für Büros und Dienstleistungen auszuweisen. Desweiteren sind die im Plangebiet abbrechenden Wege, Straßen und Grünanbindungen, z.B. die signifikante Verbindung des Stadtwaldes Eilenriede zum Mittelkanal, zu verknüpfen.


STADTTEIL RODERBRUCH


Der Stadtteil Roderbruch liegt im Osten von Hannover. Über den Stadtwald Eilenriede mit dem Stadtzentrum unmittelbar verbunden, zählt Roderbruch zum näheren Einzugsgebiet. Die städtebauliche Grundstruktur wurde in den sechziger und siebziger Jahren auf dem ursprünglich sumpfigen Bruchgebiet unter der maßgeblichen Leitung des damaligen Stadtbaurates Hanns Adrian geplant und festgelegt. So findet sich hier der für diese Zeit typische Ansatz der multifunktionalen Verdichtung wieder, der an anderer Stelle wie dem

ebenfalls aus dieser Zeit stammenden Ihme-Zentrum im Stadtteil Linden wieder auftaucht. 


Geprägt wird der Stadtteil vor allem von dem markanten winkelförmigen Wohnungsbau mit den bis zu 19 geschossigen Wohnbauten im Nordosten, der Medizinischen Hochschule, die zeitgleich entstand und der großzügigen Karl-Wiechert- Allee mit ihren großen Büro- und Verwaltungsbauten, die als solitäre Baukörper entlang der Hauptverkehrstraße liegen.  Das Zentrum des Stadtteiles bildet der Roderbruch-Markt mit einer eigenen Stadtbahnhaltestelle und einer direkt angrenzender Ladenpassage mit Wohnnutzung. Der Platz in seiner heterogenen Form mit unterschiedlichen Funktionen (Geschäften, Wohnungen, Kirche sowie einem Wochenmarkt) wird im Prinzip durchaus gut von den Bewohnern angenommen.


STRATEGIEN FÜR EINE LEERE


Die bewachsene durchgrünte Brachfläche in Angrenzung an den Roderbruch-Markt, südlich der Stadtbahnlinie, stellt das Hauptpotenzial für eine bauliche Erweiterung und eine Ergänzung der jetzigen Zentrumsmitte dar. Eine Vielzahl von unterschiedlichen und teilweise isolierten Bebauungsstrukturen zeigen zu der unbebauten Bruchfläche keine klar definierten Kanten, Bezüge oder Konturen. Aus diesem Grund verfolgt unser Ansatz die Idee, auf der großen Freifläche eine neue und zeichenhafte Stadtfigur mit harten Raumkanten zu den ausgefransten Rändern einzuschreiben. Im Bereich des Roderbruch-Marktes erhält sie eine Überlagerung und Verknüpfung mit dem bisherigen zentralen Platz, so daß sich bildlich der jetzige Roderbruch-Markt, die Ladenpassage und der neue dreieckige Stadtplatz zu einem zusammenhän-genden öffentlichen Raum verbinden. Die vertikalen Hochhaussolitäre an der Karl-Wiechert-Allee bilden eine weitere städtebauliche Verknüpfung über den Campanile am Übergang zum Roderbruch-Markt, der das neue Zentrum zukünftig kennzeichnen soll, zu einem neuen Hochpunkt entlang der Stadtbahnlinie am anderen Ende des Stadtteilzentrums.


STADTARCHITEKTUR


Entstehen soll eine eigenständige städtebauliche Figur, die sich der Freifläche einschreibt, mit drei Hauptschwerpunkten, denen wir die Themen Platz Park Raum zugeordnet haben.  Park steht für die Neudefinition der innerstädti-schen Grünanlage als Stadtpark mit dichter Baumvegetation, kleinen Lichtungen und Wegeschneisen. Im Gegensatz dazu stehen die verdichteten Raumkanten aus Wohnung-, Geschäfts- und Verwaltungsbauten, die kontrastreich enge und weite Räume bzw. steinerne Stadtplätze bilden.


Die eigene Typologie und Formensprache der stadt-architektonischen Gesamtform ist dabei bewußt prägnant und von einer eindeutigen Zeichenhaftigkeit. Sie besteht aus unterschiedlichen Funktions- und Raumlayern, die zusammen eine in sich homogene Einheit bilden, die den jeweiligen sehr unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden soll. Dabei soll ein neuer Stadtbaustein mit unverwechselbarem Charakter und hoher Identität entstehen.


PLATZ


Zentrum des Roderbruchs stellt derzeit die bestehende Platzsituation um die Kirche dar. Cafes, Märkte und Veranstaltungen wirken als Anziehungspunkt und lebendige Mitte im sonst anonymen Umfeld. Von dieser Stimmung soll die neue Mitte profitieren. Der städtische Platz ist dreieckig und öffnet sich zum bestehenden Roderbruchmarkt. Steinern und befreit von unnützem Stadtmobiliar geben die raumbegrenzenden fein untergliederten und proportionierten Gebäudekanten Masstäblichkeit.


Keine aus Angst vor der Leere gepflanzten Baumgruppen oder sonstiges modisches Platzaccessoire zerteilt den Raum. Einzig die bahnbegleitende Baumachse überlagert den Platz und ist Filter zwischen altem und neuem Roderbruchmarkt. Die raumtrennende Wirkung der Strassenbahnschienen wird durch die Hommogenität des Bodenmaterials aufgehoben, das Alt und

Neu wie ein edler Teppich miteinander verbindet. Haptik und Format des Steinmaterials geben Masstäblichkeit und erinnern an südländische Plätze.


PARK


Die umliegenden Grünräume zählen trotz ihres verwahrlosten Zustandes unbestritten zu den heutigen Qualitäten des Roderbruchs. Durch die undefinierten Übergänge von Stadt - zu Landschaftsraum werden sie aber mehr als Rest - denn als Erholungsräume wahrgenommen. Ziel ist es, beidseitig einen starken Rand durch flankierende Bebauung zu definieren

und so den Grünraum wieder erlebbar zu machen und einen Anziehungs-punkt für Anwohner und Berufstätige der Umgebung zu schaffen.


Als unbebaubarer Puffer trennt der neue Park zwischen der grossmass-stäblichen Solitärbebauung an der Karl-Wiechert Allee und der kleinteiligen Bebauung des Roderbruchmarktes und verbindet sie doch miteinander.

Die den Parkraum flankierende Bebauung ist als Büronutzung zum Grünraum orientiert, so dass trotz der zentralen Lage hochwertige und ruhige Arbeits-plätze entstehen. Beidseitige Synergieeffekte  könnten als Folge dessen für das neue Roderbruchmarktzentrum enstehen, wenn durch qualitätsvolle Arbeitsplätze neue Einwohner angezogen werden.


PERSPEKTIVE


Der Roderbruch teilt sein Schicksal mit anderen Quartiern im inneren Speck-gürtel Hannovers-sie befinden sich am Übergang von Stadt zu Land, ohne noch jeweils städtische oder ländliche Merkmale aufzuweisen. Anonymität auswechselbarer Architekturen und gesichtslose Geschäftsfassaden bestimmen landauf landab das Bild Mit der Ansiedlung des Fachmarktes am Roderbruch besteht die Chance, ganzheitlich neue Wege zu beschreiten. Aber nur, wenn vorgängig einer losgelösten Standortdiskussion über ein

Fachmarktzentrum längerfristig planerische Ziele an diesem Ort formuliert werden und nicht kurzfristigen Investoreninteressen nachgeben wird.


Wir sind der festen Ansicht, das eine Neuordnung des Roderbruchmarktes mehr als der Ausweisung von Nutzungs-und Baufeldern bedarf. Nur über eine ordnende und qualitätvolle Architektur kann es langfristig gelingen, ein integrierendes Ganzes an diesem Ort zu schaffen. Andernfalls wird eine weitere Einkaufsbrache auf der Karte Hannovers hinzukommen, aus der sich

die Menschen mehr und mehr zurückziehen werden.


RAUM


Erscheint der Roderbruch im derzeitigen Zustand wegen des städtebaulichen Wildwuchses ungeordnet und ohne Mitte, sollen wenige, aber kraftvolle Eingriffe das Gebiet räumlich neu gliedern. Der heterogenen Stadtstruktur wird bewusst eine starke Form entgegengestellt, um das Quartier zu ordnen und zu verankern. Von diesen Massnahmen profitieren die umliegenden Räume, indem sie sich nunmehr wie selbstverständlich um die neue Form

arrangieren.


Die Reduktion auf wenige ursprüngliche und archaische Formen gibt dem Auge Halt und lässt die Architektur in sich ruhen. Der zentrale Platzraum verbindet zwischen Altem und Neuem, weitet und verengt sich, die  Bäume dazwischen wirken als Filter ohne voneinander zu trennen.


Wie ein italienischer Campanile lenkt ein Turmsolitär zwischen den Plätzen um und markiert damit den Rand des Platzes. Demgegenüber stehen die drei Bürosolitäre an der Karl-Wiechert Allee und bilden den Auftakt der langestreckten Spange, ohne aus dem Kanon des grossen Ganzen auszubrechen. Weithin sichtbar begrenzen sie den Parkraum zur vielbefahrenen Strasse, die schon lange keine Allee mehr ist.